Vorbeugender Hochwasserschutz und Gewässerentwicklung an der Mittleren Isar

Hochwasserschutzprogramm Isar 2020


  • Projektdauer: 1998-2020
  • Gewässer: Mittlere Isar zwischen Hallbergmoos und Moosburg
  • Planungsgebiet: 5793 Hektar
  • Gewässerstrecke: 65 Kilometer
  • Kosten: ca. 90 Mio Euro
  • Bestehendes Überschwemmungsgebiet: 2 676 Hektar
  • Hauptmaßnahme: Rückverlegung, Auflassung, Sanierung und
    Reparatur von Deichen

Die Bedeichung von Flüssen sowie die Befestigung der Ufer dienten im Wasserbau in den vergangenen Jahrhunderten als effektives Mittel zum Hochwasserschutz. Durch Begradigungen von Flüssen konnten zudem neue Flächen erschlossen und die Flussaue somit landwirtschaftlich genutzt werden. Für die damals immer näher an die Gewässer rückenden Siedlungen waren dies wohl sehr gewinnbringende und, wenn man an die Ausbreitung von Krankheiten in Feuchtgebieten denkt, auch notwendige Maßnahmen. Zeiten ändern sich jedoch und auch Ziele des Wasserbaus müssen angepasst und gegebenenfalls neu formuliert werden.


Alte Uferbefestigungen Bild vergrössern Alte Uferbefestigungen

Durch den intensiven Gewässerausbau sind Auen – Gebiete, die natürlicherweise mehrmals jährlich überschwemmt werden – in ihrem ursprünglichen, natürlichen Zustand in Bayern kaum mehr zu finden. Und dies obwohl sie Lebensräume für eine Vielzahl in manchen Regionen bedrohter Arten wie Eisvogel und Fischotter schaffen. Neben den Gewässerentwicklungskonzepten (GEKs), welche Ist-Zustände von Gewässern bewerten und den Rahmenbedingungen angepasste Leitbilder und Ziele für die zukünftige Entwicklung formulieren, sieht das Projekt „Isar 2020“ explizit die Neuordnung des Deichsystems an einem Teilabschnitt der Mittleren Isar, zwischen Hallbergmoos und Moosburg, vor. Das Pfingsthochwasser 1999 verdeutlichte die Notwendigkeit dieser Maßnahmen: Aufgrund von Setzungen und Veränderungen der Abflussverhältnisse mussten die alten Deiche als hochgradig durchlässig eingestuft werden. Darüber hinaus genügen sie den bautechnischen Vorschriften (DIN 19712, DVWK Merkblatt M 210) nicht.


Isar bei Hochwasser unterhalb der Großhesseloher Brücke Bild vergrössern Isar bei Hochwasser unterhalb der Großhesseloher Brücke

Überschwemmungen des Auenbereichs sollen beispielsweise durch Deichrückverlegungen und -auflassungen zukünftig wieder zugelassen werden. Dadurch wird nicht nur Lebensraum für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten zurückgewonnen. Ein funktionierendes Auensystem liefert dem Wasser natürliche Austrittsbereiche, hält es dadurch zurück, verzögert und vergleichmäßigt somit den Abfluss auch im Hochwasserfall. Durch Schaffung dieser sogenannten Retentionsräume im Rahmen eines „ökologischen Hochwasserschutz“ wäre sowohl dem Menschen als auch der Natur geholfen. Neben den Deichrückverlegungen sollen zudem Uferbefestigungen, welche die Isar in eine Art „Korsett“ zwängen, gezielt entfernt werden. Hierdurch verlagert sich auf natürliche Weise der Flusslauf, wodurch wiederum neue Lebensräume, z.B. in Form von Kiesbänken, entstehen können. Durch Umbau von Abstürzen, Errichten von Fischpässen oder sogenannten Umgehungsgerinnen an Wehren wird darüber hinaus die biologische Durchgängigkeit der Mittleren Isar gefördert. Um die Vernässung der Auen weiter voranzutreiben, soll eine Vernetzung der Isar mit Auebächen realisiert und stellenweise auch Wasser in die Aue ausgeleitet werden.

Eigendynamische Entwicklung der Isar Bild vergrössern Eigendynamische Entwicklung der Isar

Die Isar in ihre Ausgangssituation zurückführen zu wollen wäre allerdings illusorisch. Vielmehr muss versucht werden, den verschiedenen Nutzungsansprüchen des Gewässers und seiner Aue gerecht zu werden. Hier sind beispielsweise die Energiegewinnung durch Wasserkraft, aber auch Verkehr und nicht zuletzt Hochwasserschutz und Naherholung zu berücksichtigen. Bevor jedoch konkrete Baumaßnahmen stattfinden können, müssen entsprechend Flächen bereitgestellt und Grundbesitzer gegebenenfalls entschädigt werden. Anhand aufwändiger Untersuchungen gilt es zudem z.B. die Verträglichkeit der geplanten Baumaßnahmen mit FFH-Gebieten (Fauna-Flora-Habitate) zu prüfen. Auch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sowie Wegeverlegungen für Forst- und Landwirtschaft sowie Freizeit und Jagd müssen geplant und letztendlich auch finanziert werden. Alle Maßnahmen sind dabei stets mit Naturschutzbehörden, Gemeinden, Vereinen, der Fischerei, Grundstücksbesitzern und Anliegern abzustimmen.


Die Maßnahmen der Deichauflassung vor Moosburg sowie die Deichrückverlegung im Bauabschnitt 14 a und b sind Teil des Nationalen Hochwasserschutzprogramms (NHWSP) des Bundes und werden zu 60% mit Bundesmitteln gefördert: Nach den verheerenden Hochwassern im Juni 2013 im Elbe- und Donaugebiet beschloss die Umweltministerkonferenz die Erarbeitung eines Nationalen Hochwasserschutzprogramms (NHWSP) unter Koordinierung des Bundes. Dieses Programm wurde am 24. Oktober 2014 beschlossen. Bundesweit vordringliche, überregional wirksame Maßnahmen für den Hochwasserschutz werden im Rahmen des Nationalen Hochwasserschutzprogramms finanziert. Das NHWSP enthält Deichrückverlegungen, Projekte zur gesteuerten Hochwasserrückhaltung (z. B. Flutpolder) sowie Maßnahmen zur Beseitigung von Schwachstellen.


Fazit: Isar 2020 hat Erfolgspotential – wenn alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten und die Bedürfnisse von Mensch und Natur gleichermaßen berücksichtigt werden.

Hinweis: Informationen zur Gewässerentwicklung an der Mittleren Isar finden Sie ebenfalls in unserem Angebot: